Ohne Limit (2011)

Kurz und knapp, so ganz ohne Gehirnkapazität erweiternde Droge: der wohl überschätzteste Film aus dem Jahre 2011. Das ergibt sich aus der einschlägigen, unglaublich wirkenden Positiv-Rezeption, deren Argumente bei ernsthafter Sichtung des Films eigentlich wie eine Farce wirken dürften. Tun sie aber nicht. Warum? … – Es bleibt schließlich nur der Versuch einer analytischen Argumentation; denn Polemik erzeugt nur Antipathien mit dem Vorwurf der bewussten Antihaltung. Eine Analyse dagegen fördert eine Diskussion, die weniger (nicht nicht!) auf bewertende Meinungsmache fußt.
»Limitless« thront auf einer Romanvorlage (»The Dark Fields«) – demnach entstand ein Drehbuch mit direkter Plotvorlage – und das merkt man. Neben einem gealterten Superstar wie Robert De Niro beinhaltet der Cast mit Bradley Cooper als Protagonist Eddie Moras einen äußerst aufstrebenden Schauspieler, dessen Rollen allerdings bisher von Eindimensionalität geprägt waren. Stets verkörperte er die Abart eines coolen, geleckten, aalglatten Proletenspasten mit bombast Frauenquote und Schmierlappenattitüde. (Bsp.: »Hangover« oder »A-Team«) – auch das merkt man »Ohne Limit« an, denn die Frage drängt sich auf: Schafft Bradley Cooper die glaubhafte Verkörperung eines anfänglichen Losertypen? – Schließlich verspricht ein ambitionierter Regisseur wie Neil Burger (»The Illusionist«) solide Unterhaltungskost mit möglichem Anspruch – allerdings merkt man davon wenig, vielmehr herrschen Ambitioniertheit und Pesudoabgrenzung, so weit das Auge reicht. Wo also anfangen?
Stichwort Plot, angelehnt an einen Roman ist dieser schnell erzählt, in Stichworten: Losertyp, erfährt von Superdroge, nimmt Superdroge, wird super, will immer mehr super werden – Einbruch, Nebenwirkungen, alles geht den Bach runter – Wendepunkt (=Anfangsszene) – Ende mit Antimoralmissbrauch als Smartheitskatalysator. Usw.
Auch als Unterhaltungsflick fällt »Ohne Limit« bereits hier unter Durchschnitt, ist die Anfangsszene natürlich mitten aus dem Film gegriffen, um lehrbuchmäßig Neugier zu erzeugen – nur um dann den krassen Schwenk zum Loser Eddie Moras zu wagen, der dem Typen auf der Hochhauskante von eben doch ziemlich ähnelte. Nur…nur irgendwie ist das ein anderer Bradley Cooper: Fetthaar ungemacht, unsicherer Blick, vermittelte Nervosität durch zittrige, leicht gehetzte Art – natürlich gescheiterter Schriftsteller mit Termindruck, der sich einfach mal so vor den Laptop knallt, um auf Anhieb in einen Kreativitätsflow zu geraten und mal so am Stück einen Anfang und dann auch bitteschön direkt das ganze Buch zu produzieren. Schon hier wird es deutlich, ein sich durch den ganzen Film schlängelndes Gefühl der Aggression: Schablonenhaft angelegte Charaktere verkümmern oft, auch hier, zu Abziehbildchen ihrer selbst. Sie wirken unglaubwürdig, zumal Cooper den Eindruck macht, als warte er nur sehnlichst auf den weiteren Verlauf des Films, der endlich, ja hallelujah, endlichst sein Umstyling zum smarten Superarsch parat hält. Ja, endlich. Denn ist ein Charakter an sich bzw. sind dessen Handlungen unglaubwürdig, d.h. entsprechen sie nicht der 100%-igen Kapazität, dann hat ein Film ein gehöriges Problem. »Limitless« würde zu einem Fass ohne Boden verkümmern, würden all die 1-zu-1-Stigmata aufgelistet werden, die hier Verwendung finden.
Angefangen bei Scarface-Banker-Typ-Eddie-Moras, dessen Weitsicht der einer Schnecke gleicht (unglaubwürdig, weshalb er nicht an Nachschub denkt – später ist es eigentlich zu spät – aber nein, Anti-Ende olé), übergehend zu den geradlinigsten, natürlich u.a. russischen Bösewichten, die auch die Handlanger Hans Grubers sein könnten, endend bei der ach so straighten Freundin, die komischerweise immer dann auftaucht, wenn Cooper den eindimensionalen Schmierlappe auf Droge mimt. Nicht zu vergessen die zahlreichen Plotwenden, die wirken als wären sie innerhalb einer Werbepause ins Drehbuch verhackt worden, im Stile eines Frage-Antwort-Schemas. Frage: Mist, wie kommt denn dieser Loser Eddie eigentlich zur Droge? Antwort: Achja, wir könnten einen Typen erfinden, einen Mittelmittelsmann, den Eddie von gaanz früher kennt, damit der Zuschauer ja nicht weiter nachfragt, wo zur Hölle der zwielichtige Typ denn nun herkommt – ja, ähm, und dann, ja, der Typ – der begegnet dann Eddie auf der Straße und dann gehen die in die Kneipe, tagsüber … naja, ist egal, der gibt dem dann einfach so die Droge und verschwindet dann. Ok, und, ja klar, Eddie will mehr, sucht den Typen, und dann lassen wir den sterben und Eddie hat den Scheiß an der Backe. Zwischenfrage: Welche Rolle spielt dieser Typ, warum taucht er einfach so auf? Antwort: Keine Ahnung.
Natürlich ist es nicht so abgelaufen. Und dennoch entsteht besagter Eindruck. Bei einem Streifen, der von maximaler Kapazität handelt und diese predigt, muss man von Menschen, die auf dieser Droge schweben erwarten können, dass sie stets die mit Abstand beste Entscheidung treffen – und eben nicht mit dieser neuen Art der Superdroge vermitteln, wie ultra-mega-cool und einfach es doch ist bspw. einen perfekten Roman zu schreiben. Das ist anmaßend und lässt »Ohne Limit« nur noch unsympathischer werden, da die Auswirkungen lediglich auf derlei plumpe Ebenen der Smartheit ausgedehnt und niemals auch nur den Hauch eines reflektierenden Charmes, Gedankenspiels ausstrahlen. Nein, da wird mal eben die Nachbarin flach gelegt, cool, amüsant, unterhaltend – wirklich, total! Und – wie sollte es auch anders sein – im Zeitraffer, mit genüsslichen Kontrastspielereien muss der Wechsel, der Konsum und der Trip untermalt werden. Es fehlt stets die Subtilität, das Augenzwinkern auf eine unterschwellige, weniger direkte Art, sodass wahrhaftige Coolness auch nur die Chance hätte zu entstehen. Dagegen wird der Film auf die wohl uninnovativste Art und Weise begleitet, derlei Wirkung es nur ganz wenigen Filmen gestattet ist, sie zu verwenden: »Off-Kommentar«. Während ein solcher in »Die Verurteilten« Atmosphäre spendet, verkümmert er in »Ohne Limit« als Mittel zum Zweck der Undarstellbarkeit. Eddie Moras faselt und faselt, erklärt und endet nicht. Wieso erzählt er das, hat er denn überhaupt etwas Nennenswertes zu erzählen?
Nach quälenden 105 Minuten erlebt der Zuschauer Eddie Moras triumphierend. Wie kann man nun noch diese bewusst gesetzte Anti-Moral hinnehmen, ohne zu brechen?

Wertung: 2.0 / 10

Dieser Beitrag wurde unter 2.0 / 10, Action, Filmkritik, Komödie, Thriller veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Ohne Limit (2011)

  1. faniel dranz schreibt:

    Lang, lang ist´s her. Hey, Leute! Bitte sagt mir nicht das dies wieder einer dieser langsam seinem Ende entgegensiechenden Blogs wird! Ich halte das nämlich nicht mehr aus. Schon zu oft habe ich liebgewonnenes Seitengut beim Sterben beobachten müssen! Ist das vielleicht gerade nur eine vorübergehende Koma-Phase? Bitte! Ihr müsst wieder aufwachen! Ich knie hier an eurem Krankenbett mit einem Strauß Blumen und der obligatorischen Schachtel Pralinen, wenn ihr wieder zurückkommt! Euer Bartel ist da für euch! Gute Besserung!

  2. Alex schreibt:

    Toller, belebender Duft, deine Blumen! Danke!

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