Deconstructing Harry (1997)

Schreibblockaden sprechen meist für sich – oder besser gesagt – würden es gerne. Wenn Harry schreibt, dann schreibt er über Larry und haucht diesem Leben ein. Auch schreibt er über Leslie, lässt ihr Lebendigkeit entwachsen und verschmäht damit zugleich ihr Vorbild Lucy. Doch wenn Harry all dies schreibt, dann sieht der Zuschauer Woody; jederzeit. Und der hat eine solche Schreibblockade; fühlt sich nicht in der Lage zu produzieren, sinnvoll zu schaffen und zusammenhängend darzustellen. Doch schließlich existiert »Harry außer sich« zugleich als immanente / transzendente Figur, sowie als konstruktiver Film und ermöglicht so dem Schöpfer in vermeintlich letzter Instanz den wohl ursprünglichsten Ausweg zu einem weiteren Werk seines Œuvres.
Natürlich ist »Deconstructing Harry« selbstreflexiv und offenbart eine außerordentliche Metastruktur, die ein Jeder zumindest im Versuch aufschlüsseln kann. Doch wozu eigentlich? Um ein weiteres Mal das filmische Schaffen Allens zu erfassen, es miteinander zu verknüpfen und die wesentlichen Topoi »Alter Ego«, »Erotik« und »Existenz« festzulegen? Ein weiteres Mal Woody Allen als verquerten Denker zu titulieren, ihn abzutun als sexsüchtigen Hämpfling, dessen Eskapaden ihn unsicher wirken lassen, als orientierungsloses Geschöpf dieser Welt? …usw.
Klar ist das möglich.
Auch ist es nicht falsch das tun zu wollen.
Jedoch ist es auch nicht der richtige Weg.
Spätestens nach diesem Satz beziehe ich Sie direkt als Leser ein. Ich habe eine vermeintliche Wertung geäußert, die anstößig ist und etwas als nicht richtig tituliert. Das stört Sie spätestens dann, wenn Sie diesen obig beschriebenen Weg zumindest ein Mal beschritten haben. Warum? Weil Sie in Grenzen verharren, Muster tradieren und diese Traditionen nicht aufgeben wollen.
Allerspätestens jetzt fühlen Sie sich angegriffen, zu Unrecht mit Beschränkheit versehen, während Ich als traditionell hinter diesem Text sitzender Autor von Ihnen unterstellt bekomme, es dagegen richtig(er) zu machen. Ich nehme es Ihnen nicht übel, denn ich kann Ihnen versichern, dass ich es auch nicht richtig(er) mache – sondern anders. Was zur fucking Hölle das bedeutet? Ich könnte versuchen es zu beschreiben, Worte zu finden, sie versuchen in Einklang miteinander zu bringen, Sinn zu stiften, um mich so der Wahrheit, einer absoluten Instanz anzunähern.
Mach‘ ich aber nicht, da ich jene Absolutheit zumindest in diesem kümmerlichen, textuellen Fetzen versuche zu vernachlässigen, zu hinterfragen und doch nicht zu negieren. Damit Ich (mit Ihnen als Leser) auf eine abseitige Verstehensspur von Woody Allens Werk aus dem Jahre 1997 gelange. Damit Wir ein Stück weit weniger dazu gedrängt werden die Dinge festschreibend zu beschreiben und zu verstehen, dass Wir ein bisschen weniger dazu verdammt sind immerzu zu verstehen und interpretieren. Sie mögen ja nun einwerfen, dass Wir auch jetzt nichts anderes tun; und ich würde Ihnen Recht geben, da ich mich in Sie einfühle; in Woody, den teuflischen Larry, den unscharfen Mel, den unsicheren Harvey usw. Ich zeige Empathie und versuche die Welt zu verstehen, genauso wie ich versuche traditionell diesen Film zu verstehen, indem ich tradiere. Doch warum – zur Hölle – verwehrt sich Uns der Ausbruch?
Die Begrenztheit liegt in der Schrift, der Zeichensetzung selbst. Woodys (oder Harrys) [übersetztes] Film-(Drehbuch-)Zitat »Tradition ist die Illusion der Permanenz« … … … lesen Sie es ruhig ein weiteres Mal … … … ist eine Ode an die Befreiung, für die es nie zu spät ist sie zu denken. Blockaden gelten traditionell als unproduktiv, offenbaren jedoch eine Spur des Auswegs, Dinge (nicht) festzuschreiben. »Harry außer sich« ist ein ganz wichtiger Teil dieser Spur und kann in seiner Existenz nur unzureichend beschrieben werden. Er beschreibt sich selbst, während die Rezeption zu schweigen hat, um zu verstehen. Doch um das wiederum zu äußern und versuchsweise verständlich zu machen, waren an dieser Stelle 601 Wörter hinreichend. Oder doch notwendig?

Wertung: 8.5 / 10

Dieser Beitrag wurde unter 8.5 / 10, Biopic, Coming-of-Age, Drama, Filmempfehlung, Filmreview, Komödie, Satire veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

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