Chernobyl Diaries (2012)

Was gestaltet es sich seltsam einfach, den neuesten Auswurf von »Paranormal Activity«-Regisseur Bradley Parker auseinanderzunehmen. Es wirkt fast so, als stecke ein Wille dahinter eine sarkastische Ader zu bedienen. Ein Wille, der eigens erschaffene Figuren zu dümmlichen Karikaturen abstumpft („Leute, hört mal alle her, euer Regisseur hat euch was zu sagen: Also ich hab‘ mich mal eben kurz mit Oren unterhalten. Er meint, wir brauchen 1.) einen aggressiv aufbrausenden Typen, 2.) ein gut bebrüstetes Blondchen, 3.) den nervenden, destruktiven, weinerlichen Bruder vom Aggro-Typen, 4.) Halt noch das brünette Pendant; hm. Was noch? Naja usw. ihr wisst schon – wie immer halt.“); ein Wille, der eine wacklige Kamera (fast schon) vorsätzlich nicht in den Plot integriert – demnach keiner der Pseudo-Abenteurer für den Look des Geschehens verantwortlich scheint (Regisseur: „Svetomir – Alter! – wackel‘ doch nicht so mit der Kamera! Ein bisschen ’shaken‘ ist ok, machen die anderen ja auch so, aber – ALTER, wirkt ja fast so, als ob du mit von der Partie wärst, mittendrin … moment Mal … ich hab‘ da eine Idee …“ – Svetomir: „Aber Chef, ich kanns doch nicht besser…“ – Bradley: „Ja, ok, ist ok. Macht nichts.“); zudem eine Absicht, die erzdümmliche Neugier als Schlacht-Katalysator missbraucht, ohne auch nur den Hauch, das Quantum an Reflexivität anzudeuten („Kommt schon, ihr wisst doch, dass wir hier nicht Arthaus drehen. Denkt einfach nicht so viel nach, sondern habt Panik, wir sind hier nicht in ’ner Philosophiedebatte!“). Letzteres kann zwar von jedem Regisseur gerne ignoriert werden, führt dann aber zwangsläufig zu völligster Erwartungsbestätigung auf Zuschauerseite, was wiederum den Anschein erweckt, dass hier produktionstechnisch eiskalt agiert wurde – was ich dagegen niemals auch nur unterstellen will – und darf.
Allerdings drängen sich nun weitere Gedanken in den Vordergrund. Empfindungen bzw. Ahnungen, die mich als Rezipient dazu veranlassen zu glauben, dass nie auch nur die Möglichkeit bestand »echte« Nähe zu den dargestellten Menschen aufzubauen – was ein äußerst interessanter Aspekt ist. Denn geht man allgemein von der Unmöglichkeit aus, eine Identifikation mit (sog.) Charakteren anzustreben, entsteht daraus kalkulierte Konsequenz auf Seiten des Regisseurs / Drehbuchschreibers etc.. D.h. konkret, dass es sich nur -eigentlich- einfach gestaltet, »Chernobyl Diaries« die gewohnte Schelte zu verpassen: Bspw. geraten auf diese Weise platte Figürchen wie der aufbrausende Michael vom Mittel zum Zweck. Er soll nicht zur Empathie anregen, er soll nicht einen Charakter ausfüllen, sondern soll fast schon unberechenbar inkonsequent daherkommen, um auf der Schlachterplatte zu landen. Doch selbst da versagt dieser Streifen, denn Michael hält sich selbst nicht an diese auferlegte Inkonsequenz … . »Chernobyl Diaries« darf demnach nicht ernsthaft geschaut werden, es braucht Bier oder dergleichen, frotzelige Gespräche, angeheiterte Stimmung, sadistisches, herabwürdigendes, eiskaltes und unfühlbares Verhalten zur und während der Sichtung, damit ein sinnvolles Filmerlebnis entstehen kann. Und dann, ja dann funktioniert der Film tatsächlich – zumindest einigermaßen: Spannung und dunkle Szenen fangen bei Nicht-Hinterfragung des Settings an, Düsternis zu versprühen (ein bisschen); Bildgewalt taucht auf, wenn die Hintergedanken an das Jugendpack schwinden. Die im Dunkeln lauernden Monster entfalten Neugier bzgl. ihres Hintergrunds, sofern man den sonstigen Hintergrund nicht beachtet.
Kurios! Und verwirrend! Nicht wirklich natürlich: »Chernobyl Diaries« ist nette Hektik nebenher, die zwar schwer ist in Schutz zu nehmen, diesen aber auch nicht wirklich verdient; die muntere Hast ist mit locker sitzendem Erwartungskorsett erträglich und zur verdüsterten Untermalung der Wohnzimmergarnitur recht gut geeignet. Aufgrund der im Ansatz nervigen, nicht in den Kontext eingebundenen Kamerawackler ist es empfehlenswert ein wenig weiter weg vom Strahlungsobjekt Platz zu nehmen und sich schließlich inaktiv berieseln zu lassen, um nicht Gefahr zu laufen, missmütig von Extremdeppen verstrahlt zu werden.

Wertung: lieb gemeinte 5.0 / 10

Dieser Beitrag wurde unter 5.0 / 10, Abenteuer, Action, Filmreview, Horror, Klamauk, Science-Fiction veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

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