Total Recall (1990)

Tatsächlich der erhoffte Sci-Fi-Kracher, der nicht weniger zu bieten hat als absolut grenzwertige Over-The-Top-Non-Stop-90’s-Action mit 80’er-Jahre-Fingerspitzengefühl! In Regisseur Paul Verhoevens munterem Gorefest berstet, spritzt und explodiert es an jeder Ecke, dass es nur so kracht! Hier ist nichts düster oder im Verborgenen gehalten; frei heraus wird dem Zuschauer ein knallbuntes Festmahl serviert, dass sich schrill und äußerst kreativ gibt. Eine zukünftige Möglichkeitsvielfalt wird abgegrast (Kubismus olé!) und auf ein intergalaktisches Niveau gehoben, nur um sich dann selbst nicht so ernst zu nehmen. Ein Augenschmaus daher auch für heutige Verhältnisse, trotz und gerade wegen der absolut maßlosen, total-trashig-dröhnenden Überspitzung! Denn obgleich sämtliche Sequenzen einzig und allein auf Effekthascherei drohen abzuzielen, ist die Storyline so unglaublich smart und liebenswert ironisch, dass sie den eigenen Plot im Plot jederzeit fest im Griff hat. Selbst der geschwätzige Taxifahrer bemerkt am Rande, dass sie sich im Kreise drehen.
Augenscheinlich dem Action-Sci-Fi-Genre verpflichtet, schafft »Total Recall« den sehr aufwendigen Spagat zwischen Sci-Fi und Fantasy, woraus die akkurate Handlungskonsequenz entsteht. Während nämlich zunächst alles auf ein Traum-Wirklichkeits-Spiel (Echt vs. Unecht – Wahrheit vs. Traum) hinausläuft, verführt die Erzählung zu verfrühter Thesenbildung und besch(l)ießt sich letztlich selbst in hochamüsanter Genreadaption: Es hagelt nur so Action-Reißer-Klischées, die jedoch schlüssig in den Kontext eingebunden sind und dadurch ein sinnstiftendes Gesamtkonzept ergeben! Gewalt wird als fast schon liebenswerter Selbstzweck inszeniert und dient damit in der Bespaßung der inhärenten Entwurzelung. Der ganz eigene amerikanische Traum wird hier ausgelebt, auf Zelluloid gebannt und lässt einen selbst als Zuschauer abschalten (ohne wegzutreten), um schlicht zu unterhalten. Selten geriet ein derart eindimensionaler Protagonist wie Douglas Quaid zur Zielscheibe maßgeschneiderter Sympathie. Die (fast schon Drei-)Spaltung des Egos ist ein Kunstgriff das eigene Genre nach Wunsch zu befeuern, wodurch die »Spannung« nicht auf herkömmliche Weise entsteht. Der Film macht keinen Hehl aus möglichen Phantasmen und Unglaubwürdigkeiten – vielmehr ist das Wunderbare auf selbstverständliche Weise im wissenschaftlichen Fortschritt verankert. Es bedarf keiner frickeligen Rechtfertigung samt (natürlich) erz-logischer Erklärung: »Total Recall« ist ein herzlicher, inbrü(n)stiger Genre-Mutant ohne böse Absicht, aber mit brutalst echt-wirkendem Body-Count.
Arnold Schwarzeneggers schauspielerisches »Talent« kommt in diesem Potpurri vollends zur Geltung und wirkt in keinem Moment unglaubwürdig – trotz eigentlich haarsträubendem Acting hart an der Schmerzgrenze. Er übernimmt mühelos das schicksalsgebeutelte Filmruder und strotzt nur so vor reißerischer Kraft, die ihm zu einer authentischen Vermittlung einer fremdgesteuerten Heldenfigur verhilft. Sharon Stone wechselt dagegen im Laufe der Handlung mehrmals spielerisch den Charakterdress und wirkt dabei ebenso entschlossen wie Bösewicht Cohaagen (Ronny Cox) den Plot im Plot von Kulisse zu Kulisse abwechslungsreich voranzutreiben. Dabei flimmert und blitzt immer mal wieder ein zweifelnder Ausreißer zur Wahrheitsfindung auf, nur um dann via Headshot ins filmische Jenseits befördert zu werden.
Das alles gipfelt dann schließlich im pompösen Finale, das mit seiner phantastischen Konsequenz sich selbst treu bleibt und sinnvoll im Komplexen auflöst. Einzige Wermutstropfen bilden einerseits das der Untermalung dienende musikalische Einerlei, das allerdings im wiederholenden Geschrammel nervt und damit den Effektekrach zielsicher übertönt. Andererseits vermiest (ein bisschen!) die drängelnde, fast schon aufdringliche Explizitheit, die der Narration anhaftet und die in der Überspitzung subtiler hätte ausfallen können. Dieser Art der Erklärungen bedarf es doch eigentlich gar nicht – dennoch sind sie filmintern realisiert; womöglich um das Publikum nicht allzu arg vor den Kopf stoßend abzuschrecken – was heutzutage (beim Gedanken an die Fülle ‚realistischer‘ Comicverfilmungen) gar nicht mal so grauer Theorie entsprechen dürfte. Denn ehrlich gesagt bereitet mir die in kurzer Zeit anlaufende Neuauflage rund um Starensemble Colin Farrell, Kate Beckinsale und Jessica Biel Bauchschmerzen. Zwar wäre eine Kopie, sprich ein simples Remake des Verhoevenschen Werkes unsinnig, allerdings könnte eine inceptioneske Herangehensweise an den Stoff tierisch in die Hose gehen. Hier dagegen ist das Gegenteil äußerst geglückt.
Jedenfalls sollte daher vor der »Neu«-Sichtung nochmals eine unterhaltsame, muntere, gar nicht altbackene »Alt«-Sichtung erfolgen – der Vergleich zum Reboot/Remake dürfte dann mehr als interessant ausfallen.

Wertung: 8.5 / 10

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Eine Antwort zu Total Recall (1990)

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