Elysium (2013)

Es folgt ein kurzes Review zu einem Film, zu dem es, obgleich man eigentlich ein großer Freund noch größerer (und ausufernder) Worte sein mag, nicht allzu viel zu sagen gibt – und ein Nachruf auf eine Schauspielerin. Ein Nachruf, dem die Hoffnung auf Widerruf innewohnt, was wohl sonst eher ungewöhnlich für einen Nachruf ist. Aber, wie heißt es so schön: „First things first“: „Elysium“ ist im Prinzip genau das, was man von Regisseur Neill Blomkamp als nächsten Schritt nach seinem von Kritik und Publikum weltweit gepriesenen Sci-Fi-Meisterstück „District 9“ (2009) erwarten konnte: Eine High-Budget-Version seines erfolgreichen Independent-Werks im Blockbuster-Format, mit Amerika als Schauplatz statt Südafrika. Und mit dem beinahe allgegenwärtigen Routinier Matt Damon in der Hauptrolle. Achja, und ohne Aliens. Ganz gerecht wird man „Elysium“ mit dieser Beschreibung denn aber doch nicht. Zwar legt Blomkamp hier im Vergleich zu „District 9“ einige Schippen an Action obendrauf, ganz dumm ist „Elysium“ aber nicht. Höchstens weniger subtil. Aber seien wir mal ehrlich, um zu erkennen, dass es sich bei „Distict 9“ um eine Allegorie auf die Apartheid handelt, musste man auch keine große Leuchte sein. So ist „Elysium“ zwar thematisch breiter und stellt gleich zahlreiche Missstände der modernen Gesellschaft an den Pranger, moralinsauer oder gar pathetisch ist das Machwerk (nur der Schluss ist arg kitschig geraten – inklusive SloMo, Funkensprühregen und obligatorischen indianisch anmutenden Gesängen im Hintergrund) aber auch nicht. „Elysium“ ist brutal, und mit knallharter Action, teils sogar mit wohl dosiert eingesetzten Gore-Effekten, garniert und hat fantastische Schauwerte zu bieten. Damit dürfte Blomkamp mit einem milden Lächeln sämtliche Sci-Fi-Blockbuster des ausklingenden Kinojahres (man denke da an den mauen „Oblivion“ mit Tom „Nervsack“ Cruise oder „Pacific Rim“) auf den Mond schießen („Gravity“ spielt da in einer ganz anderen Liga). Matt Damon überzeugt mit seiner realistisch-geerdeten Darstellung des verletzlichen Anti-Helden, und Sharlto Copley ist ein Gegenspieler, den man derart fies und angsteinflößend lange nicht gesehen hat. Angsteinflößend ist allerdings auch die Performance der Jodie Foster, und damit wären wir beim anfangs angekündigten Nachruf: Als arrogant-intrigante, von der Gier nach Macht zerfressene Superzicke ist ihr Charakter nicht nur unglaublich flach und farblos gezeichnet, Foster macht auch eine bemerkenswert schlechte Figur, so als wäre sie geradezu dem Banktresor aus „Inside Man“ (2006) entflohen. Dass sie ein verbissenes Gesicht machen und affektiert-überheblich die Augenbrauen heben kann, wissen wir. Schließlich macht sie seit Jahren nichts anderes (Super-Flop „Der Biber“ mit Mel „Ex-Megastar-turned-into-racist“ Gibson und Foster auf dem Reigie-Stuhl sowie Kinderfilm „Insel der Abenteuer“ mal ausgenommen). Nicht nur, dass sie mit flachen Nebenrollen wie in „Inside Man“ oder eben „Elysium“ schlicht unterfordert scheint, ihr Talent kommt dieser Tage nur noch selten wirklich zum Tragen. In „Gott des Gemetzels“ wirkt sie oft, jedoch nicht immer, over-the-top, im fragwürdigen Moralstück „Die Fremde in Dir“ spult sie ihr Reportoire der Marke „Actionheldin“ ab, was wir aus „Flightplan“ kennen, und welches sie erstmals, damals noch durchaus eindrucksvoll, in Finchers unterbewertetem Thriller „Panic Room“ einsetzte. Foster ist seit mittlerweile einem guten Jahrzehnt Lichtjahre davon entfernt, ihre unglaubliche Vielseitigkeit, welcher sie trotz benannter Routine-Arbeiten noch immer den Status der Erstligistin der Hollywood-Garde und zudem zwei Oscars zu verdanken hat, auch nur im Ansatz zu beweisen. Ihre romantisch-kämpferische und aufopferungsvolle Hingabe aus „Anna und der König“, die hinreißend-komische Hinterlistigkeit aus „Maverick“, die wundersam-einzigartige Entrücktheit aus „Nell“, und selbstverständlich die schlicht perfekt facettenreiche Darstellung der Clarice Starling aus „Das Schweigen der Lämmer“, welche dem einstigen Kinderstar nach „Angeklagt“ bereits den zweiten Oscar als beste Hauptdarstellerin einbrachte und sie endgültig als ernstzunehmde (erwachsene) Schauspielerin etablierte – all dieses Talent lässt uns auch beim Anblick der hoffnungslos unterforderten, fast hilflos affektiert chargierenden Foster in „Elysium“ noch hoffen, dass die großartige Schauspielerin Jodie Foster noch einmal zu ihrer wahren Größe (bei nur 1,60m Körpergröße) zurückkehren könnte. Hier spricht ein wahrer Fan, der noch immer nicht die Hoffnung aufgegeben hat, noch einmal ganz ohne auch nur den Hauch von Wohlwollen (wie zuletzt bei „Gott des Gemetzels“) von Jodie Fosters darstellerischer Leistung überzeugt zu werden.
So, genug des Pathos. Fosters Figur der Verteidigungsministerin von Elysium hat derart wenig Screen-Time, dass es einem fast schon egal sein könnte, wie aufgesetzt ihr Spiel wirkt, und dass man ungeachtet dessen den insbesondere hinsichtlich seiner Schauwerte und der Action-Einlagen gelungenen Sci-Fi-Thriller, um den es hier eigentlich geht, mit Spannung verfolgen kann. Als enttäuschter Fan fällt dies jedoch schwer.

Wertung: 7.0/10.

Dieser Beitrag wurde unter 7.0 / 10, Abenteuer, Action, Drama, Filmreview, Science-Fiction, Thriller veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s