Fast verheiratet (2012)

Auf der Suche nach einer Komödie, die zwar seicht und doch nicht ganz ohne Anspruch daherkommt, entpuppt sich »Fast verheiratet« mit HIMYM-Star Jason Segel und Schuh-Ikone Emily Blunt als Stolperstein. Er liegt im Weg und ja, irgendwie mutet er sympathisch an: Ein Paar steht kurz vor der entscheidenden Wende ihres Lebens hin zum ‚Für-Immer‘ und schafft es einfach nicht. Die Umstände verhindern das Überschreiten der Ziellinie und beschwören unerwartete Konsequenzen herauf. Die verlaufen mal skurril, mal romantisch, mal pointiert und schließlich ab und an auch mal platt. Teil dieser Episoden im Leben der beiden Verlobten sind immer wiederkehrende Charaktere, die im Gedächtnis bleiben, weil sie einfach ziemlich extrem gezeichnet sind. Das endet schließlich in einem Balance-Akt zwischen oberflächlichem Abziehbild und kantiger Nebenfigur. Alles schön und gut – solange es die eigenen Erwartungen bedient, kann ja da eigentlich wenig schief gehen – so will ich fast tönen. Naja, fast getönt.

Denn »Fast verheiratet« hat nicht nur mal wieder einen blöden Verleihtitel erwischt, nein, das Original klingt nach etwas ganz Anderem: »The Five-Year Engagement«. Regisseur Nicholas Stoller, bekannt aus dem von der Kritik respektierten »Forgetting Sarah Marshall« – zu deutsch natürlich wieder etwas kecker »Nie wieder Sex mit der Ex« – hat damals schon ein Händchen für guten Humor bewiesen. Auch damals schon war Jason Segel im Boot. Und auch damals schon spielt er seine wohl einzig vorzeigbare Rolle – die des etwas vertrottelten, und trotzdem liebenswürdigen Freundes einer Frau, die zeitweise irgendwie eine etwas andere Vorstellung vom Liebesglück hat. Ich unterstelle jetzt nicht, dass die Storys sich ähneln. Vielmehr kommen beide Geschichten mit einem ähnlichen Spannungsbogen daher. Und mit dem gehen die Probleme los.

»The Five-Year Engagement« betitelt eine doch recht lange Zeitspanne, und die wird dem Film fast zum Verhängnis. Ich kann es daher nicht oft genug betonen: Jeder Film hat seine Zeit und bedarf daher nicht zwangsläufig der Überlänge (hier: 124 Minuten!) – nur um dann noch eine schwurbelig skurrile Szene zu zelebrieren, auszuwatschen und wie einen schon ausgedrückten Schwamm noch einmal bis auf den letzten Tropfen auszuquetschen. Letztlich läuft es doch wieder auf das erwartete Ende hinaus, dann kann auch zuvor gezielter gesteuert werden.

Der Auftakt gelingt nämlich nach Maß. Die Figurenzeichnung bleibt harmonisch und doch nicht belanglos. Vorahnungen werden zwar bestätigt und doch bleibt die Geschichte glaubhaft, sympathisch und irgendwie dem Leben verschrieben. Die erste Verliebtheitsphase wird zum Glück ausgespart, und auch im Folgenden wird nicht effekthaschend auf die Tränendrüse gedrückt. Zentral bleibt die Frage: »Wie würde ich mich verhalten?“ Nachvollziehbar taumeln Tom und Violet vom einen Konflikt in den nächsten und verlieren dabei zunächst nicht den Witz aus den Augen. Doch dann, gemäß des klassischen 5-Schritt der Dramatik, verharrt »Fast verheiratet« im retardierenden Moment und wird tatsächlich belanglos. Die fallende Handlung fällt und fällt immer weiter und kommt nicht von der Stelle. Das beschwört Ungeduld und kastriert den stets vorhandenen Witz. Aufmerksamkeit ist ein heiliges Gut und darf nicht dem Selbstzweck einer sich selbst gern zusehenden Schauspieltruppe geopfert werden.

Denn das muss dem auch Drehbuchschreiber Jason Segel dann doch zu Gute gehalten werden; dass»Fast verheiratet« stets ein gutes Gefühl durch die miteinander harmonisierenden Charaktere versprüht, die einfach liebenswert miteinander umgehen. Der Zuschauer bekommt – wenn auch zu lange – das geboten, was er wohl vorher auch erwartet hat: Das Auf und Ab einer Liebe und die Angst davor, den Sack zuzumachen und das einzutüten, was nur dann perfekt wird, wenn man akzeptiert, dass es schon immer perfekt war und auch immer sein wird, ungeachtet der Irrungen und Wirrungen, die dann aber doch irgendwie immer dazu gehören.

Wertung: 6.5 / 10

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